FRAGEBOGEN des BMJ

 

"Gemeinsame Sorge nicht miteinander verheirateter Eltern"

 

Anmerkungen von Franzjörg Krieg  
Gründer und Sprecher des „Väteraufbruch für Kinder“, 
Kreisgruppe Karlsruhe  
und  
Erster Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg    

Wir vom „Väteraufbruch für Kinder e.V.“ haben den Eindruck, 
dass viele nicht eheliche Väter beim Versuch, das Gemeinsame Sorgerecht 
zu erhalten, bei uns landen, weil ihnen an anderen Stellen signalisiert wird, 
dass ihr Unterfangen keinen Erfolg verspricht.

Auch diejenigen nicht ehelichen Väter, die diesen Versuch 
erst gar nicht starten oder inzwischen aufgegeben haben, kommen zu uns, 
weil wir die einzige bundesweit vertretene Organisation sind, 
die sich um ausgegrenzte Elternteile und deren Kinder kümmert.

Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass die meisten Informationen 
über die Befindlichkeit ausgegrenzter nicht ehelicher Väter 
und die Konsequenzen für deren Kinder bei uns gespeichert sind.  

 

* 1. Wie häufig treten in Ihrer familienrechtlichen Beratungspraxis 
Väter mit der Frage an Sie heran, 
ob bzw. wie sie gegen den Willen der Mutter 
die elterliche (Mit-)Sorge erlangen können?  

nie selten (maximal 3 Anfragen pro Jahr)  
Ich habe ca.    Anfragen pro Jahr.

 

Unsere Kreisgruppe Karlsruhe des „Väteraufbruch für Kinder e.V.“ 
existiert seit Oktober 2001. Seither haben wir jährlich 80-100 Neufälle. 
Von diesen sind etwa 40% Väter aus nicht ehelichen Beziehungen.

Nur vereinzelt haben diese nach 1998 das Gemeinsame Sorgerecht von der Mutter des gemeinsamen Kindes zugestanden bekommen.

Die Realität der überwiegenden Mehrheit nicht ehelicher Väter wird von der Tatsache geprägt, dass die Mutter des Kindes den Vater zwar real hat mitsorgen lassen, ihm das Gemeinsame Sorgerecht aber eifersüchtig vorenthalten hat.

Das heißt, diese Mütter haben gerade das NICHT gemacht, wovon das BVerfG am 29.01.2003 meinte, dass der Gesetzgeber davon ausgehen darf.

In einigen Fällen waren die Mütter so vernünftig, dass sie mit dem Vater zum Jugendamt gingen, um gleichlautende Sorgerechtserklärungen abzugeben.

In fast 100% dieser Fälle wurde der Mutter von den SachbearbeiterInnen dringend abgeraten, diesen fatalen Fehler zu begehen. Nur wenige Mütter waren so standfest, diese „Beratung“ zu überstehen und ihre Absicht auch in die Tat umzusetzen.

D.h., nicht nur die meisten nicht ehelichen Mütter handeln gegen das, wovon das BVerfG meinte, dass der Gesetzgeber davon ausgehen darf. Die JUGENDÄMTER boykottieren in der Mehrheit das, was das BVerfG meinte, als Norm voraussetzen zu können.

 

Die sogenannte „Altfallregelung“ gab nicht ehelichen Trennungsvätern nach dem BVerfG-Urteil vom 29.01.2003 die Gelegenheit, auch gegen den Willen der Mutter die Gemeinsame Sorge familiengerichtlich etablieren zu lassen.

Nicht nur ich selbst (nicht ehelicher Vater zweier Töchter und 18 (!) Jahre ehegleiches Zusammenleben mit der nicht ehelichen Familie) gehöre zu den Vätern, die dies versuchten.

Wir kennen keinen einzigen Fall, in dem die Gerichte das machten, was das BVerfG als Möglichkeit etablierte. Wir haben den Eindruck, dass eine Direktive von oben auch in offensichtlich in jeder Hinsicht geeigneten Fällen die Errichtung der Gemeinsamen Sorge um jeden Preis verhindert. „Um jeden Preis“ meint: Gegen jede verständliche Vernunft.

 

* 2. Zu welchem Prozentsatz leben die Väter in diesen Fällen mit Mutter und Kind zusammen oder haben über längere Zeit (mindestens 1 Jahr) mit Mutter und Kind zusammen gelebt?  

0 - 10%

11 - 25%

26 - 50%

51 - 75%

76 - 100%

 

Mein eigener Fall als Beispiel:

Die Mutter betrieb die Trennung nach 18 Jahren ehegleichen Zusammenlebens 
als unsere ältere Tochter 11 und die jüngere Tochter 2 Jahre alt war.

Die Voraussetzungen, nach der „Altfallregelung“ das Gemeinsame Sorgerecht zugesprochen zu bekommen, waren geradezu ideal.

Ich zitiere aus dem Beschluss des Amtsgerichts Karlsruhe-Durlach vom 01.08.2005:

>> Der Antrag des Vaters, die Sorgeerklärung der Mutter 
nach § 1626 a Abs. l Nr. l BGB zu ersetzen, 
wird zurückgewiesen.

Eine gemeinsame elterliche Sorge dient im vorliegenden Falle 
nicht dem Kindeswohl.“

 

 

* 3. Welche Motive der Mutter werden für die Ablehnung der 
gemeinsamen Sorge angegeben? (Mehrfachnennungen möglich)  

- Eine Beziehung zwischen den Eltern hat nie bestanden, 
war lose oder ist beendet.  

- Es kommt häufig zu Konflikten zwischen den Eltern, 
eine friedliche Verständigung ist nicht möglich.  

- Die Mutter möchte die Alleinsorge behalten, 
um im Konfliktfall alleine entscheiden zu können ("einfacherer Weg").  

- Der Vater sei nicht erziehungsgeeignet.  

- Die Mutter möchte nicht Gefahr laufen, 
im Falle einer Trennung selbst das Sorgerecht zu verlieren.  

- Die Mutter möchte die gemeinsame Sorge von Zugeständnissen 
des Vaters abhängig machen.  

- Die Mutter möchte nichts mehr mit dem Vater zu tun haben 
und lehnt daher einen Kontakt auch in Angelegenheiten des Kindes ab.  

- Die Mutter möchte sich am Vater rächen.  

- Weitere, bislang nicht genannte Gründe:  

 

Die Summe der Fälle zeigt einen Mix aller oben genannten Gründe.

Im Hintergrund steht fast immer ein Machtmissbrauchsverhalten 
egomanischer „Kinderbesitzerinnen“, die sich auch nicht scheuen, 
ihre Kinder zu somatisieren.

Nicht nur vor dem Hintergrund meines eigenen Falles, 
sondern auch als Betreuer der bundesweiten Fallsammlung des VAfK 
kann ich diese Aussage anhand vieler konkreter Fälle verifizieren.

   

* 4.   Erscheinen die genannten Motive der Mütter Ihrer Einschätzung nach nachvollziehbar/plausibel?  

- weit überwiegend ja  

- in der Mehrzahl der Fälle  

- in weniger als der Hälfte der Fälle  

- selten  

- kann nicht beurteilt werden, 
weil kein Kontakt mit der Kindesmutter bestand    

- kann aus anderen Gründen nicht beurteilt werden.  

 

Wieder als Beispiel mein eigener Fall:

Die Trennung war vor 12 Jahren, meine ältere Tochter habe ich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil die Mutter dies zu verhindern wusste. Die Einstellung der Mutter ist an deren Anträgen und Antragserwiderungen objektiv ablesbar.

Die Verantwortung des Gesetzgebers ist an meinem Fall nachweisbar:

1998 war meine ältere Tochter schon 15 Jahre alt, ich wollte und konnte sie nicht zu einem Umgang zwingen, den sie selbst nicht mehr wollte.

Für meine jüngere 1992 geborene Tochter kam die Kindschaftsrechtsreform noch rechtzeitig. Ich konnte die Mutter zur Akzeptanz einer von ihr vorher regelmäßig boykottierten Umgangsregelung zwingen.

Die Mutter wurde von mir schon nach 1-2 Jahren Umgangsboykott, die größere Tochter betreffend, eindringlich darauf hingewiesen, dass diese Form von Eltern-Kind-Entfremdung unsere Tochter therapiebedürftig machen wird.

Zwei Jahre danach begann diese mir entfremdete Tochter psychisch auffällig zu werden, eine Tatsache, die vor mir sorgfältig verborgen wurde. Die Situation war dadurch besonders interessant, weil ich im übernächsten Haus wohnte.

Erst am 30.09.2004 erhielt ich über ein psychiatrisches Gutachten die ersten Informationen über den Zustand meiner Tochter. Die Mutter missachtete jede Informationspflicht, auch nachdem ich weit über 100.000 DM reinen Kindesunterhalt bezahlt hatte.

Interessant ist auch, dass das Gutachten nur erstellt wurde, weil ich nach § 1611 BGB die Verwirkung des Unterhaltsanspruches beantragte. Durch das Gutachten sollte natürlich die Alimentierung gesichert werden, was natürlich gelang. In allen Fällen mir bekannten geglückten Vorgehens nach 1611 waren die Unterhaltspflichtigen Mütter.

 

Ich zitiere aus dem Gutachten:

„Bei Frau G. besteht eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F 60.3).

...Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung...

...Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden;

...ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, 
das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierungen und 
Entwertungen gekennzeichnet ist; 
...ausgeprägte oder andauernde Instabilität des Selbstbildes 
oder der Selbstwahrnehmung; 
...Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen 
(z. B. Substanzmissbrauch, Fressanfälle);

...wiederholte suizidale Handlungen, 
Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten;

...affektive Instabilität in Folge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung;

...unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten die Wut zu kontrollieren.

... Typisch für diese Form der Persönlichkeitsstörung ist das hohe Ausmaß der Comorbidität in Form von depressiven Erkrankungen, Angststörung, 
Substanzmissbrauch und Essstörung.

... Die oben geschilderten Diagnosekriterien sind bei Frau G. 
in großem Ausmaß erfüllt.“

 

Es muss noch erwähnt werden, 
dass meine jüngere Tochter unter den bestehenden Bedingungen erstaunlich normal ist? Morgen werde ich mit ihr wiederum für einen Ferienaufenthalt in die Türkei fliegen.

 

Ich bin selbstverständlich sorgender Vater, 
der allerdings in menschenrechtswidriger Ignoranz behandelt wird 
wie der im Verfahren vor dem BVerfG zitierte Karnevalsprinz, 
der an Fasching backstage eine geneigte Gardetänzerin schwängert.

 

 

Väteraufbruch für Kinder e.V. - Kreisgruppe Karlsruhe
Homepage: http://www.vafk-karlsruhe.de
siehe auch HP "Vatergefühle"
http://www.papa.vermisst.dich.ms/

Sprecher der Karlsruher Gruppe
Sprecher des Landesverbandes BW und
Betreuer der zentralen Falldokumentation des VAfK:
Franzjörg Krieg, Durlacher Allee 24
75045 Walzbachtal
Handy: 0173-92 90 009
vafk-ka@gmx.de
http://franzjoerg-kids.2see.de